Blau wie die Seine

In das kleine Restaurant fernab der Haute-Volée
Passen fünfzig Gäste, die sich nicht genieren
Morgen ist schon Valentin und es fällt noch immer Schnee
Jeder Tischnachbar darf dich berühren.

Denn du bist …
Blau wie die Seine, du bist blau wie das Meer,
Du bist blau wie ein Meteorit
Der dich trifft in Paris völlig schwerelos
Und der Wein fließt und wir fließen mit

Der Patron ist Romancier und er heißt Hafed
Und lebt hier schon seid über fünfzig Jahren
Und kein Mensch stößt sich daran, dass die Hafeds
Früher einmal Bankräuber waren

Seine Köchin ist sehr schön, hat kastanienfarbne Haut
Mit dem Teller brachte sie dir Afrika
Und du hast ihr wildes Fleisch bis auf die Knochen abgekaut
Es geliebt und wusstest nicht mal, was es war.

Denn du bist…
Blau wie die Seine, du bist blau wie das Meer,
Du bist blau wie ein Meteorit
Der dich trifft in Paris völlig schwerelos und der Wein fließt und wir fließen mit

Jemand liest eine Schnurre vom Marquis de Sade,
Die dich zum Zuhören zwingt
In der ein Priester sehr sinnlich zwei jungen Leuten
Die Dreieinigkeit näher bringt.
Und die kleine Sopranistin schmettert Verdi,
Trällert Gershwin und jetzt singt sie Schubert
Und der Abwaschhelfer sperrt das Maul auf,
Schließt die Augen, lässt den Teller fallen und ist verzaubert

Er weiß nicht wovon sie singt, er versteht nur die Musik
Er steht so unschuldig da wie jene Frau
Die gleich aufsteht und sie spricht ein erotisches Gedicht
Heute gibt es hier keine Fauxpas.
Nun springt ein Jüngling auf und er slamt und er rappt
Bis auch ich mich endlich zu tanzen getrau
Und ich tanz mit der Köchin zur Salsamusik
Und dazwischen fällt ein Glas.

Denn wir sind …
Blau wie die Seine, wir sind blau wie das Meer,
Wir sind blau wie ein Meteorit
Der uns trifft in Paris völlig schwerelos
Und der Wein fließt und wir fließen mit

Ja wir sind …
Blau wie die Seine, wir sind blau wie das Meer,
Wir sind blau wie ein Meteorit
Der uns trifft in Paris völlig schwerelos
Und der Wein fließt und wir fließen mit

Text: Georg Clementi nach Mail aus Paris von Gero von Randow, DIE ZEIT Nr. 8 vom 18.02.10
Musik: Sigrid Gerlach-Waltenberger / Georg Clementi

Das allererste Zeitlied, das entstanden ist. Gero von Randow hat einen Artikel geschrieben, der so sinnlichen ist, dass er förmlich nach einem Lied geschrieen hat. Seine Worte, ein paar Reime, etwas Musette-Atmosphäre vom Akkordeon, eine Walzer-Gitarre und schon sind wir in Paris.

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