Hitze

Wenn ihr was vorhabt machet bloß schnell
Denn sonst versäumt ihr die Liebe eventuell
Und ich müsst euch bedauern wie ein altes Paar
Das zu spät sich verliebt hat und hoffnungslos war
Morgen schon wird hier alles vergehn
Könnt ihr das Flimmern am Horizont sehn
Alles verdampft und die Hitze zieht ein
Mächtiger kann auch die Liebe nicht sein

Vielleicht wird man fragen wie das Leben entglitt
Wie die Erde verbrannte weshalb und womit
Und warum wir verstummten in unsrem Gesang
Und uns träge ergaben viele Glutsommer lang
Nichts taten was ein wenig Kühlung versprach
Nur lahm dabei zusahen wie alles zerbrach
Uns hingaben wie ein betäubtes Tier
Den drohenden Untergang voll im Visier

Wir sehen das Flirren am Horizont
Wir spüren die Hitze über dem Land
Genießen noch jeden Schönwettertag
Und wissen genau wir stehn alle am Rand
Des Abgrunds nichts wird wie es einmal war
Alles vergeht und die Menschen sogar
Weil staubige Wolken vom Himmel fallen
Während Hühner verenden in glühenden Hallen

Etwas komisch Verrücktes liegt in der Luft
Und Mama liebt plötzlich den reizvollen Duft
Von saftigen Frauen und besonders Cécile
Was sie bloß mit ihr jetzt noch anfangen will

Kommt das von der Dürre überall hier
Diesem Himmel der gelb ist wie Maispapier
Alles vergeht und die Hitze zieht ein
Mächtiger kann auch die Liebe nicht sein

Drum wenn ihr was vor habt machet bloß schnell
Denn sonst versäumt ihr die Liebe eventuell
Und es läuft euch die Zeit weg wie ihr und Cécile
Die saftig und kühl war und die Mama gefiel

Morgen schon wird hier alles vergehn
Könnt ihr das Flimmern am Horizont sehn
Alles verdampft und die Hitze zieht ein
Mächtiger kann auch die Liebe nicht sein

Text: Georg Clementi nach Auf der Schwelle von Elisabeth von Thadden,  DIE ZEIT Nr. 1, vom 30.Dezember 2014

Musik: Karsten Riedel

Sigrid Gerlach: Akkordeon
Tom Reif: Gitarre und alle anderen Instrumente

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