Der Erbe

Wir sitzen in der Küche und es gibt sehr guten Wein
Und nie hab ich daran gedacht es sollte anders sein
Wir leben hier auf großem Raum sechs Zimmer oder mehr
Ich kenn ’s nicht anders so ist die Familie bitte sehr

Bei uns wurde gearbeitet da geht es allen gut
Wahrscheinlich liegt der Wohlstand uns ein wenig auch im Blut
Und nun sitzt plötzlich Ralf vor mir und schaut verzweifelt drein
Und ich denke zum ersten Mal mein Freund könnt neidisch sein.

Ich bin ein Erbe
Und ich erbe
Ein Vermögen
Nur für mich

Das ist das Herbe
An dem Erbe
Eine Scherbe
Im Gesicht der andern

Und nun erzählt mir Ralf seine Behausung wird zu klein
Er baut Kajüten für die Kinder in die Wände rein
Dass seine Frau nach Feierabend im Restaurant bedient
Ich merk ich hab mein Leben im wahrsten Sinne nicht verdient

Ich bin ein Erbe
Und ich erbe
Ein Vermögen
Nur für mich

Das ist das Herbe
An dem Erbe
Eine Scherbe
Im Gesicht der andern

Und hin und wieder arbeit’ ich und kriege ein paar Cent
Darauf zahl ich dann Steuern von über vierzig Prozent
Wenn mein Geld für mich arbeitet sind’s zwanzig grad einmal
Doch auf mein Erbe spar ich jede Steuer mir total

Ich bin ein Erbe
Und ich erbe
Ein Vermögen
Nur für mich
Das ist das Herbe
An dem Erbe
Eine Scherbe
Im Gesicht der andern

Ich bin ein Erbe
Und ich verderbe
Auch meine Kinder
sicherlich

Denn gingen sie zur Arbeit und verdienten ein paar Cent
Zahlen auch sie darauf Steuern von über vierzig Prozent
Doch arbeitet ihr Geld für sie sind’s zwanzig grad einmal
Und wenn sie einmal erben spar’n sie sich die Steuer total

Denn sie sind Erben
Und sie erben
Ein Vermögen
Nur für sich

Das ist das Herbe
An den Erben
Lauter Scherben
Im Gesicht der andern

Text: Georg Clementi nach Eine Klasse für sich von Julia Friedrichs, ZEIT MAGAZIN Nr. 11 vom 12. März 2015

Musik: Tom Reif

Sigrid Gerlach: Akkordeon
Tom Reif: Gitarre und alle anderen Instrumente

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